Mit ihrem neuen Beethoven-Programm lädt das Ensemble Altera Pars dazu ein, zwei Schlüsselwerke der Musikgeschichte aus einer überraschend neuen Perspektive zu erleben: die „Egmont“-Ouvertüre sowie die 2. Symphonie in D-Dur, op. 36 in kammermusikalischen Transkriptionen aus der Beethoven-Zeit.

Was heute selbstverständlich scheint – große Orchesterwerke jederzeit im Konzertsaal, auf Tonträgern oder digital hören zu können – war im frühen 19. Jahrhundert nur wenigen Menschen zugänglich. Viele lernten Beethovens Symphonien und Ouvertüren nicht im Orchesterkonzert kennen, sondern in Bearbeitungen für kleinere Besetzungen: am Klavier, im häuslichen Musizieren oder im kammermusikalischen Kreis. Transkriptionen waren damit kein bloßer Ersatz, sondern ein wichtiger Teil der musikalischen Rezeptionsgeschichte.

Genau an diese historische Praxis knüpft Altera Pars an. Die Mitglieder des Ensembles entdeckten in der British Library Transkriptionen des Beethoven-Zeitgenossen Girolamo Masi, der Beethovens symphonische Klangwelt für sechs bis sieben Musiker einrichtete. Seine Bearbeitungen zeigen, wie wirkungsvoll orchestrale Musik auch ohne großes Orchester leuchten kann: transparent, beweglich, farbenreich und mit einer Intensität, die das Bekannte neu hörbar macht.

In dieser kammermusikalischen Fassung treten alle Stimmen solistisch hervor. Jede Stimme agiert eigenständig, gleichberechtigt und unmittelbar im musikalischen Geschehen. Dadurch entstehen neue Klangfarben, feinere Konturen und ein direkter Blick auf Beethovens musikalische Ideen. Die 2. Symphonie erscheint dabei nicht verkleinert, sondern anders fokussiert – als Werk von großer Energie, mit der Nähe und Schärfe kammermusikalischer Kommunikation.

Das Ensemble Altera Pars – zu Deutsch: „Andere Seite“ – widmet sich neben dem klassischen Repertoire eines Alte-Musik-Ensembles vor allem der Wiederentdeckung selten gespielter Werke und verschollener Repertoires. Seine Mitglieder sind Solistinnen und Solisten renommierter europäischer Originalklang-Orchester und zugleich musikwissenschaftlich tätig. Ihre Arbeit verbindet historisch informierte Aufführungspraxis mit eigener Archiv- und Quellenforschung.

Eine Matinee für alle, die Beethoven kennen – und bereit sind, ihn anders zu hören.